Kristine Flottau-Kittemann: Heimat für Neuankömmlinge
Kristine Flottau-Kittemann, 1943 in Breslau geboren, zog 1984 nach
Freising. Sie leitete und organisierte 17 Jahre lang den Newcomer-Club,
eine Anlaufstelle für Neuankömmlinge im Stadt und Landkreis Freising.
Mit diesem Engagement förderte sie maßgeblich die Integration von
Neubürgern.
Wie es Leuten ergeht, die in eine Stadt ziehen, in der sie keine Menschenseele kennen, kann Kristine Flottau-Kittemann gut nachfühlen. „Als ich 1984 mit meinem damals zwölf jährigen Sohn Jens nach Freising kam, empfand ich die erste Zeit als schwierig." Die medizinisch-technische Assistentin, die viele Jahre in der Forschung arbeitete, fühlte sich nach den Jahren in der Großstadt München „eingeengt". Und weil sie aus familiären Gründen wenig Zeit hatte, fiel es ihr zunächst schwer, Bekanntschaften zu schließen. „Na ja, ich bin nicht auf den Mund gefallen und habe bald neue Freunde gefunden", relativiert sie mit einem charmanten Lächeln diese Schilderung. Nicht jeder ist freilich so offen und kontaktfreudig wie Kristine Flottau-Kittemann. Sie zögerte daher nicht lange, als für den Newcomer-Club in Freising eine Leitung gesucht wurde.
Das Konzept, Neubürgern in ungezwungener Form die Kontaktaufnahme und das Einleben in der ungewohnten Umgebung zu erleichtern, stammt aus den USA. Von dort brachte Karin Pichler die Idee mit und organisierte im Frühjahr 1988 ein erstes Newcomer-Treffen. „Meine Freundin zog überraschend weg und bat mich, die Leitung zu übernehmen", erzählt Flottau-Kittemann, die dann insgesamt 17 Jahre lang an der Spitze des Newcomer-Clubs stand. Sie zog sich Ende 2005 aus privaten Gründen von der ehrenamtlichen Aufgabe zurück.
Zum ersten Stammtisch lud sie im September 1988. Seither findet jeden zweiten Mittwoch im Monat - außer in den Schulferien - ab 19.30 Uhr eine Zusammenkunft im Weihenstephaner Bräustüberl statt. Der Mineraloge unterhält sich mit einem Professor aus Irland, zwei Sachsen plaudern mit einer Dame aus Köln, die skibegeisterte Rentnerin diskutiert mit einem Schreiner und der Wissenschaftler aus China führt ein angeregtes Gespräch mit einer Gymnasiallehrerin.
Für Deutsche wie Ausländer, gleich welcher Generation und unabhängig vom Bildungsstand, etablierte sich der Club zur ersten Anlaufstelle. Obwohl kein eingetragener Verein, ist der Newcomer-Club zur Institution geworden. Weil es im weiten Umkreis kein ähnliches Angebot gibt, kommen neu Zugezogene aus Freising und dem Landkreis eben so wie aus Erding oder Garching. Kristine Flottau-Kittemann sorgte dafür, dass die Stammtisch-Termine und ihre Kontaktadresse in den Tageszeitungen veröffentlicht wurden. Wenn sich Besucher bei ihr telefonisch ankündigten, wurden sie gleich ausgefragt: „Woher sie kommen, ob sie verheiratet sind und Kinder haben, welchen Beruf sie ausüben und wie ihre Interessen aussehen." So konnte Flottau-Kittemann besser abschätzen, welche Leute sie beim Clubabend an ei nen Tisch setzen sollte. „Ich habe versucht, Gleichgesinnte zusammen zuspannen oder mich auch persönlich eingeschaltet, wenn ein Gast Hemmungen hatte." Mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihrem fröhlichen Temperament gelang es ihr fast immer, die Neuankömmlinge in die Gruppe zu integrieren.
Nicht immer, so stellte sie allerdings sehr bald fest, reichten die monatlichen Treffen aus, um Kontakte zu vermitteln: „Manche Menschen sind schüchtern und finden nicht so leicht Anschluss." Flottau-Kittemann überlegte sich daher ein „Zusatzprogramm". Sie arrangierte gemeinsame Exkursionen, organisierte Vorträge und kunsthistorische Führungen und rief das alljährliche Sommerfest auf einem Bauernhof ins Leben. Dabei lernten die Newcomer ihre Heimat näher kennen und entwickelten ein lebhaftes Interesse an Freising und der Region. Um Sponsoren für diese Aktivitäten kümmerte sich die Club-Leiterin ebenfalls, denn es ist ihr wichtig, „dass alle die Angebote wahrnehmen können, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten".
„Die Rechnung ist aufgegangen", kann die 63-jährige Club-Gründerin heute zufrieden Bilanz ziehen. Nicht nur „dicke Freundschaften" sei en entstanden, „sogar Ehen wurden angebahnt", verrät sie vergnügt. Kristine Flottau-Kittemann fungierte aber nicht nur als Managerin und Motor dieser wertvollen Privatinitiative. Sie half den Neuankömmlingen bei Schulproblemen der Kinder, setzte sich mit der Ausländerbehörde auseinander und hatte stets ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Newcomer-Familie. „Ich könnte einen Roman darüber schreiben, was ich in diesen 17 Jahren erlebt habe."
Den bedeutenden Beitrag des Newcomer-Clubs für die Integration von Neubürgern in einer Region, die vom anhaltenden Zuzug geprägt ist, hat auch die Stadt Freising erkannt und Flottau-Kittemann beim Kulturempfang 2006 für ihr außergewöhnliches Engagement geehrt. „Es hat mich gefreut, dass dieser Service, von dem die Stadt profitiert, nicht als Selbstverständlichkeit angesehen wird." Von der Leitung des Clubs hat sie sich inzwischen zurückgezogen, um wieder mehr Zeit für sich zu haben. „Ich bin sehr kunstinteressiert, habe begonnen, mich mit Digitalfotografie zu beschäftigen, und will mich um meine Enkelkinder kümmern." Selbstverständlich hat Kristine Flottau-Kittemann dafür gesorgt, dass der Neubürger-Treff weiter läuft. Sie konnte Barbara Anders und Frank Richartz als Nachfolger gewinnen. Beide sind keine Unbekannten, sie nahmen seit 1992 an den Stammtischen teil.
Der Abschied ist Kristine Flottau-Kittemann jedoch nicht leicht gefallen. „Die Aufgabe der Leiterin war mir auf den Leib geschneidert. Ich konnte Leute bemuttern und ihre Gastgeberin sein. Das geht mir schon ein bisschen ab." Nicht zuletzt habe sie auch persönlich von dieser Tätigkeit profitiert. „Ich wurde für die Probleme von Neubürgern sensibilisiert und habe dabei viel dazu gelernt. Diese Erfahrungen be deuten für mich einen großen Gewinn." Daher schwingt eine Portion Wehmut mit, wenn sie an ihre Tätigkeit zurückdenkt.
Freilich: Die Freundschaften, die sie mit vielen Leuten geschlossen hat, bestehen weiter. Wenn ihr Mann Günter im nächsten Jahr seine Praxis als Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgibt und das reiselustige Paar dann „durch die Welt stromern" wird, kann Kristine Flottau-Kittemann auch die Freundschaften pflegen, die bis nach Australien und Bangladesh reichen.
Das Konzept, Neubürgern in ungezwungener Form die Kontaktaufnahme und das Einleben in der ungewohnten Umgebung zu erleichtern, stammt aus den USA. Von dort brachte Karin Pichler die Idee mit und organisierte im Frühjahr 1988 ein erstes Newcomer-Treffen. „Meine Freundin zog überraschend weg und bat mich, die Leitung zu übernehmen", erzählt Flottau-Kittemann, die dann insgesamt 17 Jahre lang an der Spitze des Newcomer-Clubs stand. Sie zog sich Ende 2005 aus privaten Gründen von der ehrenamtlichen Aufgabe zurück.
Zum ersten Stammtisch lud sie im September 1988. Seither findet jeden zweiten Mittwoch im Monat - außer in den Schulferien - ab 19.30 Uhr eine Zusammenkunft im Weihenstephaner Bräustüberl statt. Der Mineraloge unterhält sich mit einem Professor aus Irland, zwei Sachsen plaudern mit einer Dame aus Köln, die skibegeisterte Rentnerin diskutiert mit einem Schreiner und der Wissenschaftler aus China führt ein angeregtes Gespräch mit einer Gymnasiallehrerin.
Für Deutsche wie Ausländer, gleich welcher Generation und unabhängig vom Bildungsstand, etablierte sich der Club zur ersten Anlaufstelle. Obwohl kein eingetragener Verein, ist der Newcomer-Club zur Institution geworden. Weil es im weiten Umkreis kein ähnliches Angebot gibt, kommen neu Zugezogene aus Freising und dem Landkreis eben so wie aus Erding oder Garching. Kristine Flottau-Kittemann sorgte dafür, dass die Stammtisch-Termine und ihre Kontaktadresse in den Tageszeitungen veröffentlicht wurden. Wenn sich Besucher bei ihr telefonisch ankündigten, wurden sie gleich ausgefragt: „Woher sie kommen, ob sie verheiratet sind und Kinder haben, welchen Beruf sie ausüben und wie ihre Interessen aussehen." So konnte Flottau-Kittemann besser abschätzen, welche Leute sie beim Clubabend an ei nen Tisch setzen sollte. „Ich habe versucht, Gleichgesinnte zusammen zuspannen oder mich auch persönlich eingeschaltet, wenn ein Gast Hemmungen hatte." Mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihrem fröhlichen Temperament gelang es ihr fast immer, die Neuankömmlinge in die Gruppe zu integrieren.
Nicht immer, so stellte sie allerdings sehr bald fest, reichten die monatlichen Treffen aus, um Kontakte zu vermitteln: „Manche Menschen sind schüchtern und finden nicht so leicht Anschluss." Flottau-Kittemann überlegte sich daher ein „Zusatzprogramm". Sie arrangierte gemeinsame Exkursionen, organisierte Vorträge und kunsthistorische Führungen und rief das alljährliche Sommerfest auf einem Bauernhof ins Leben. Dabei lernten die Newcomer ihre Heimat näher kennen und entwickelten ein lebhaftes Interesse an Freising und der Region. Um Sponsoren für diese Aktivitäten kümmerte sich die Club-Leiterin ebenfalls, denn es ist ihr wichtig, „dass alle die Angebote wahrnehmen können, unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten".
„Die Rechnung ist aufgegangen", kann die 63-jährige Club-Gründerin heute zufrieden Bilanz ziehen. Nicht nur „dicke Freundschaften" sei en entstanden, „sogar Ehen wurden angebahnt", verrät sie vergnügt. Kristine Flottau-Kittemann fungierte aber nicht nur als Managerin und Motor dieser wertvollen Privatinitiative. Sie half den Neuankömmlingen bei Schulproblemen der Kinder, setzte sich mit der Ausländerbehörde auseinander und hatte stets ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Newcomer-Familie. „Ich könnte einen Roman darüber schreiben, was ich in diesen 17 Jahren erlebt habe."
Den bedeutenden Beitrag des Newcomer-Clubs für die Integration von Neubürgern in einer Region, die vom anhaltenden Zuzug geprägt ist, hat auch die Stadt Freising erkannt und Flottau-Kittemann beim Kulturempfang 2006 für ihr außergewöhnliches Engagement geehrt. „Es hat mich gefreut, dass dieser Service, von dem die Stadt profitiert, nicht als Selbstverständlichkeit angesehen wird." Von der Leitung des Clubs hat sie sich inzwischen zurückgezogen, um wieder mehr Zeit für sich zu haben. „Ich bin sehr kunstinteressiert, habe begonnen, mich mit Digitalfotografie zu beschäftigen, und will mich um meine Enkelkinder kümmern." Selbstverständlich hat Kristine Flottau-Kittemann dafür gesorgt, dass der Neubürger-Treff weiter läuft. Sie konnte Barbara Anders und Frank Richartz als Nachfolger gewinnen. Beide sind keine Unbekannten, sie nahmen seit 1992 an den Stammtischen teil.
Der Abschied ist Kristine Flottau-Kittemann jedoch nicht leicht gefallen. „Die Aufgabe der Leiterin war mir auf den Leib geschneidert. Ich konnte Leute bemuttern und ihre Gastgeberin sein. Das geht mir schon ein bisschen ab." Nicht zuletzt habe sie auch persönlich von dieser Tätigkeit profitiert. „Ich wurde für die Probleme von Neubürgern sensibilisiert und habe dabei viel dazu gelernt. Diese Erfahrungen be deuten für mich einen großen Gewinn." Daher schwingt eine Portion Wehmut mit, wenn sie an ihre Tätigkeit zurückdenkt.
Freilich: Die Freundschaften, die sie mit vielen Leuten geschlossen hat, bestehen weiter. Wenn ihr Mann Günter im nächsten Jahr seine Praxis als Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgibt und das reiselustige Paar dann „durch die Welt stromern" wird, kann Kristine Flottau-Kittemann auch die Freundschaften pflegen, die bis nach Australien und Bangladesh reichen.
Sabina Dannoura
