Prof. Dr. Wolfgang Herrmann: Vom Lederhosen-Image zum Hightech-Campus
Wolfgang Anton Herrmann, 1948 in Kelheim geboren und seit 1991
Wahl-Freisinger, ist Präsident der Technischen Universität München. Er
hat den Standort Freising-Weihenstephan zum international renommierten,
modernen Life Science Centre entwickelt.
Wolfgang A. Herrmann wollte nie Präsident der Technischen Universität München werden. Als Dekan hatte er bereits langweilige Sitzungen über sich ergehen lassen müssen. Als er dann 1995 an die Spitze der TU gewählt wurde, versprach er sich selbst: „Ich diene vier Jahre der Allgemeinheit, danach höre ich wieder auf." Herrmann ist leidenschaftlicher Forscher und sah seine Aufgabe darin, an den studentischen Nachwuchs seine Erfahrung und Begeisterung zu vermitteln. Dass der Chemieprofessor entgegen seines Vorsatzes heute noch das Präsidentenamt bekleidet, ist Glücksfall für eine ganze Region.
Lederhose und Traktoren, Bier, Milch und Butter: Weihenstephan genoss unter Wissenschaftlern lange Zeit ein schlechtes Image. Dies änderte sich erst, als der renommierte Wissenschaftler Wolfgang Herrmann an die Spitze der Technischen Universität rückte. Er erkannte das Potenzial des Standorts Freising und baute den Campus Weihenstephan inner halb kürzester Zeit zur international geachteten Hochschule aus. „Ich habe die Schubturbine eingesetzt", scherzt der 58-Jährige über das Tempo, mit dem er diese Herausforderung gelöst hat.
Dabei war dem neuen Präsidenten dringend abgeraten worden, sich mit Weihenstephan zu befassen. Herrmann lebte bei seinem Amtsantritt schon vier Jahre lang mit seiner Frau Freya und den fünf Kindern in Freising. „Ich kannte das Flair dieser Stadt. Sonst wäre es vielleicht auch mir nicht gelungen, unsere Einrichtungen in Weihenstephan zu entwickeln." Eine Modernisierung und Verschränkung mit der TU München, so war er überzeugt, würde einen wissenschaftlichen Gewinn bedeuten. Mit einem überzeugenden Strukturkonzept und großem Elan gelang es ihm, für notwendige Neubauten bei der Bayerischen Staatsregierung Gelder locker zu machen. Innerhalb von zehn Jahren wurden in Freising 80 Millionen Euro investiert. Die für die Universität errichteten, modernen Einrichtungen - und speziell die Zentralbibliothek als origineller Rundbau - sind auch ein großer Gewinn für die Architektur in der Domstadt. Heute vereinigt das Wissenschaftszentrum in einer einzigartigen Kombination die wissenschaftliche Kompetenz in den „Life Sciences" - von der Biologie, den Agrar- und Gartenbauwissenschaften über die Forstwissenschaft, Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie bis hin zum Brauwesen. Das Freisinger Krankenhaus kam über eine Kooperation mit der Münchner Uni-Klinik Rechts der Isar in den Wissenschaftsverbund und demnächst wird mit dem Zentrum für Lebensmittelchemie und Molekularer Sensorik ein neuer, in der Bundesrepublik einmaliger Schwerpunkt etabliert „Das Wissenschaftszentrum Weihenstephan ist heute der interdisziplinäre Standort der TU, hier werden auch strukturell und politisch Pionierleistungen erbracht", sagt Herrmann stolz.
Mit Freude registriert er, dass von diesen Initiativen eine ganze Region profitiert. „Stadt und Landkreis Freising sind international sichtbar geworden. Und dieser Weg wird fortgesetzt mit der Bestellung be deutender Gastprofessoren, die weltweit als Multiplikatoren die nen", kündigt Herrmann an. Seine Kollegen würden dabei nicht nur einen Hightech-Forschungscampus kennenlernen, sondern zugleich die Region als „überschaubar und liebenswert" wahrnehmen. Man spürt: Für den gebürtigen Kelheimer, den seine akademische Laufbahn nach Regensburg, Frankfurt und die USA führte, ist Freising längst Wahlheimat.
Zunächst hatte die Familie von 1985 bis 1991 in Giggenhausen bei Neufahrn gewohnt. „Da wollte ich auf keinen Fall wieder weg, weil es so schön war", erinnert er sich. Schließlich sei er dort voll integriert gewesen. In der Kirche übernahm er sogleich den Posten des Organisten, weshalb ihn die Dörfler anfangs als Musikprofessor ansahen. Eines Tages stand ein Mann vor der Tür, der ihn für die Reaktivierung des Männergesangsvereins „Einigkeit" gewinnen wollte. So kam der Chemiker zu seinem weiteren Ehrenamt als Chorleiter. Dann aber, als die Kinder das Gymnasium in Freising besuchten, drängte Ehefrau Freya auf einen Umzug in die Kreisstadt. „Versöhnt", so feixt er lachend, habe er sich mit Freising, als seine Wohnstraße nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt benannt worden sei. Das Landleben in Giggenhausen tauschte er gegen eine Idylle am Stadtrand. Muße, diese zu genießen, bleibt ihm freilich kaum. Das einzige Zugeständnis, wenn er im Sommer am Wochenende zu Hause weilt: Aktenkoffer und Papiere werden auf der Terrasse ausgebreitet.
Herrmann absolvierte sein Diplom bei Nobelpreisträger Ernst Otto Fischer, dessen Nachfolger er 1985 in München wurde. Versuche, den international anerkannten und mit unzähligen Auszeichnungen dekorierten Chemiker von der TU abzuwerben, blieben freilich nicht aus. Die Hoechst AG wollte ihn als Leiter der Forschung gewinnen. Auch die Eidgenössisch Technische Hochschule in Zürich, die laut Herrmann „am Sternenfirmament der Wissenschaft" angesiedelt ist, umwarb ihn. Warum hat er den Verlockungen widerstanden? „Natürlich waren die Angebote verführerisch. Aber ich wollte mein Umfeld mit jungen Studenten nicht aufgeben: Sie für die Wissenschaft einzunehmen, hat mich in der Akademie gehalten. Außerdem habe ich in Deutschland studiert und gearbeitet, ich glaube an die Zukunft unseres Landes. Warum sollte ich also ins Ausland gehen?"
Aufgewachsen in einem Dorf bei Kelheim, hat Herrmann immer ein Faible für das Landleben gehabt. Seine bodenständige Seite lebt er in Garching an der Alz. In dem Ort bei Altötting besitzt die Familie ein großes Anwesen. Hier gelingt es ihm sogar, seine Aktentasche ins Eck zu verbannen. Den Anzug tauscht er gegen den Blaumann und entspannt sich in seiner Werkstatt bei handwerklichen Tätigkeiten. Er fährt Fahrrad, übt sich im Orgelspielen oder liest die bayerische Geschichte „rauf und runter". Was Wolfgang Herrmann macht, macht er richtig. In einer Hinsicht übt er allerdings Selbstkritik: Für seine Kinder, die mittlerweile zwischen 19 und 34 Jahre alt sind, habe er früher nicht viel Zeit aufbringen können. „Deshalb neckten sie mich ständig mit dem Namen ´Gastprofessor´."
Lederhose und Traktoren, Bier, Milch und Butter: Weihenstephan genoss unter Wissenschaftlern lange Zeit ein schlechtes Image. Dies änderte sich erst, als der renommierte Wissenschaftler Wolfgang Herrmann an die Spitze der Technischen Universität rückte. Er erkannte das Potenzial des Standorts Freising und baute den Campus Weihenstephan inner halb kürzester Zeit zur international geachteten Hochschule aus. „Ich habe die Schubturbine eingesetzt", scherzt der 58-Jährige über das Tempo, mit dem er diese Herausforderung gelöst hat.
Dabei war dem neuen Präsidenten dringend abgeraten worden, sich mit Weihenstephan zu befassen. Herrmann lebte bei seinem Amtsantritt schon vier Jahre lang mit seiner Frau Freya und den fünf Kindern in Freising. „Ich kannte das Flair dieser Stadt. Sonst wäre es vielleicht auch mir nicht gelungen, unsere Einrichtungen in Weihenstephan zu entwickeln." Eine Modernisierung und Verschränkung mit der TU München, so war er überzeugt, würde einen wissenschaftlichen Gewinn bedeuten. Mit einem überzeugenden Strukturkonzept und großem Elan gelang es ihm, für notwendige Neubauten bei der Bayerischen Staatsregierung Gelder locker zu machen. Innerhalb von zehn Jahren wurden in Freising 80 Millionen Euro investiert. Die für die Universität errichteten, modernen Einrichtungen - und speziell die Zentralbibliothek als origineller Rundbau - sind auch ein großer Gewinn für die Architektur in der Domstadt. Heute vereinigt das Wissenschaftszentrum in einer einzigartigen Kombination die wissenschaftliche Kompetenz in den „Life Sciences" - von der Biologie, den Agrar- und Gartenbauwissenschaften über die Forstwissenschaft, Ernährungswissenschaft und Lebensmitteltechnologie bis hin zum Brauwesen. Das Freisinger Krankenhaus kam über eine Kooperation mit der Münchner Uni-Klinik Rechts der Isar in den Wissenschaftsverbund und demnächst wird mit dem Zentrum für Lebensmittelchemie und Molekularer Sensorik ein neuer, in der Bundesrepublik einmaliger Schwerpunkt etabliert „Das Wissenschaftszentrum Weihenstephan ist heute der interdisziplinäre Standort der TU, hier werden auch strukturell und politisch Pionierleistungen erbracht", sagt Herrmann stolz.
Mit Freude registriert er, dass von diesen Initiativen eine ganze Region profitiert. „Stadt und Landkreis Freising sind international sichtbar geworden. Und dieser Weg wird fortgesetzt mit der Bestellung be deutender Gastprofessoren, die weltweit als Multiplikatoren die nen", kündigt Herrmann an. Seine Kollegen würden dabei nicht nur einen Hightech-Forschungscampus kennenlernen, sondern zugleich die Region als „überschaubar und liebenswert" wahrnehmen. Man spürt: Für den gebürtigen Kelheimer, den seine akademische Laufbahn nach Regensburg, Frankfurt und die USA führte, ist Freising längst Wahlheimat.
Zunächst hatte die Familie von 1985 bis 1991 in Giggenhausen bei Neufahrn gewohnt. „Da wollte ich auf keinen Fall wieder weg, weil es so schön war", erinnert er sich. Schließlich sei er dort voll integriert gewesen. In der Kirche übernahm er sogleich den Posten des Organisten, weshalb ihn die Dörfler anfangs als Musikprofessor ansahen. Eines Tages stand ein Mann vor der Tür, der ihn für die Reaktivierung des Männergesangsvereins „Einigkeit" gewinnen wollte. So kam der Chemiker zu seinem weiteren Ehrenamt als Chorleiter. Dann aber, als die Kinder das Gymnasium in Freising besuchten, drängte Ehefrau Freya auf einen Umzug in die Kreisstadt. „Versöhnt", so feixt er lachend, habe er sich mit Freising, als seine Wohnstraße nach dem Naturforscher Alexander von Humboldt benannt worden sei. Das Landleben in Giggenhausen tauschte er gegen eine Idylle am Stadtrand. Muße, diese zu genießen, bleibt ihm freilich kaum. Das einzige Zugeständnis, wenn er im Sommer am Wochenende zu Hause weilt: Aktenkoffer und Papiere werden auf der Terrasse ausgebreitet.
Herrmann absolvierte sein Diplom bei Nobelpreisträger Ernst Otto Fischer, dessen Nachfolger er 1985 in München wurde. Versuche, den international anerkannten und mit unzähligen Auszeichnungen dekorierten Chemiker von der TU abzuwerben, blieben freilich nicht aus. Die Hoechst AG wollte ihn als Leiter der Forschung gewinnen. Auch die Eidgenössisch Technische Hochschule in Zürich, die laut Herrmann „am Sternenfirmament der Wissenschaft" angesiedelt ist, umwarb ihn. Warum hat er den Verlockungen widerstanden? „Natürlich waren die Angebote verführerisch. Aber ich wollte mein Umfeld mit jungen Studenten nicht aufgeben: Sie für die Wissenschaft einzunehmen, hat mich in der Akademie gehalten. Außerdem habe ich in Deutschland studiert und gearbeitet, ich glaube an die Zukunft unseres Landes. Warum sollte ich also ins Ausland gehen?"
Aufgewachsen in einem Dorf bei Kelheim, hat Herrmann immer ein Faible für das Landleben gehabt. Seine bodenständige Seite lebt er in Garching an der Alz. In dem Ort bei Altötting besitzt die Familie ein großes Anwesen. Hier gelingt es ihm sogar, seine Aktentasche ins Eck zu verbannen. Den Anzug tauscht er gegen den Blaumann und entspannt sich in seiner Werkstatt bei handwerklichen Tätigkeiten. Er fährt Fahrrad, übt sich im Orgelspielen oder liest die bayerische Geschichte „rauf und runter". Was Wolfgang Herrmann macht, macht er richtig. In einer Hinsicht übt er allerdings Selbstkritik: Für seine Kinder, die mittlerweile zwischen 19 und 34 Jahre alt sind, habe er früher nicht viel Zeit aufbringen können. „Deshalb neckten sie mich ständig mit dem Namen ´Gastprofessor´."
Sabina Dannoura
