Vom Bärenflüsterer und von zündelnden Schweden
Vom Bärenflüsterer und von zündelnden Schweden
Aus Urzeiten lassen sich Siedlungstätigkeiten in der Region Erding-Freising nachweisen, in der Bronze- und Eisenzeit tauschten die Bauern Nahrung, Werkzeuge und Waffen gegen Gold und Bernstein. Fast 500 Jahre siedelten die Kelten in der Region, bis 15 v.Chr. römische Legionäre das Gebiet ihrer Herrschaft unterwarfen. Aus ansässigen und zugewanderten romanisierten Kelten, den Boiern, und versprengten Germanen entstand im Lauf der Zeit das Volk der Bajuwaren.
Die Gründung des Bischofssitzes in Freising im Jahre 739 verpasste der Stadt einen klerikalen Anstrich. Im frühen Mittelalter war Freising das wichtigste urbane Zentrum im oberbayerischen Raum. Die herausragendste Persönlichkeit unter den Fürstbischöfen des hohen Mittelalters war Bischof Otto von Freising, Geschichtsphilosoph und Politiker von europäischem Rang. Und was macht der Bär im Wappen der Stadt Freising? Der Legende nach zähmte der Heilige Korbinian, der erste Bischof Freisings, in seinen Wanderjahren einen blutrünstigen Bären, der sein Pferd gerissen hatte.
Nur drei Pferdestunden entfernt stand Erding dagegen unter weltlichem Einfluss. Nach den Agilolfingern herrschte das Domkapitel Salzburg über Erding, ehe es 1228 von Herzog Ludwig von Bayern, einem Wittelsbacher, das Stadtrecht erhielt. Übrigens: Das damalige „Munichen" war zu diesem Zeitpunkt eher ein Provinznest!
Den Wittelsbachern mit Familiensitz in Wartenberg ist zu verdanken, dass die Region bayerisch blieb! In der Schlacht von Gammelsdorf 1313, eine der letzten Ritterschlachten, die noch ohne Feuerwaffen geführt wurde, siegten die Bayern über die Österreicher. Eine Niederlage hätte das Gesicht der Region wohl für immer verändert!
Düstere Zeiten brachen mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) für die Region an. Gleich dreimal wurde Erding von den Schweden heimgesucht und niedergebrannt. Die heute stattfindenden „Schwedenspiele" erinnern an die dunkle Epoche. Knapp der Fremdherrschaft entging die Region im Bayerischen Erbfolgekrieg (1778-1779), in dem die wenig motivierten und erschöpften Truppen sich der Legende nach gegenseitig mit Kartoffeln bewarfen - der Konflikt ging als „Kartoffelkrieg" in die Geschichte ein. Nach Friedensschluss fielen Teile der Region an Kurfürst Karl Theodor von Bayern. Wenig später brachte die Säkularisation (1802/03) die Aufhebung des über tausendjährigen Hochstifts Freising - Freising wurde bayerisch.
Geschichte zum Anfassen gibt es in der gesamten Region. Prächtige Bauwerke, informative Museen und klerikale Schätze künden noch heute von der Geschichte. So laden zum Beispiel das Herderhaus in Aufhausen oder das Bauernhausmuseum in Erding zu einer Zeitreise ein. Bei einem Besuch im Landratsamt Freising schreitet man durch den Kreuzgang des ehemaligen Klosters Neustift.
Die Vergangenheit prägt die Region bis in die Zukunft.
